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Heft 12 – Jahrgang 8 (2020)

Reproduktion – Zeit – Körper

Der menschliche Körper wird ganz wesentlich bestimmt durch die Fähigkeit zur Reproduktion. Diese unterliegt biologischen Kausalitäten, zeitlichen Zwängen und sich verändernden sozialen Zuschreibungen. Wie stark diese mit der Kategorie Geschlecht verknüpft sind, illustriert gut das verbreitete Bild der tickenden biologischen Uhr. Für wen tickt die Uhr, wer entscheidet und wie ändert sich dies? Dieses Heft widmet sich der Frage, wie sich Vorstellungen von Reproduktion und reproduktivem Entscheiden und damit das Verhältnis von gebärfähigen Körpern und Zeit historisch wandelte. Insgesamt vier empirische Beiträge untersuchen am Beispiel von Zeit-Diskursen, der Thematisierung von Abtreibung im Film in Schweden, Versuchen der Regulierung des weiblichen Zyklus in der Sowjetunion und Familiengründungen im Zweiten Weltkrieg wie Reproduktion durch den Rückgriff auf zeitliche Kategorien wie Alter, Fristen oder Zeitdruck vermessen, reguliert und kontrolliert wurde. Der Band wird durch Interviews mit den Medical Students for Choice Berlin sowie der Leiterin der Pro Familia Beratungsstelle Waiblingen ergänzt, die einen Einblick Zeitabhängigkeiten in Klinikalltag und Schwangerenkonfliktberatung ermöglichen.